Hintergrund
Soziale, ökologische und kulturelle Innovation jenseits von Verwertungszwängen wird gegenwärtig auf theoretischer Ebene vor allem in den sogenannten entwickelten Ländern nicht vom in Parteien organisierten politischen Establishment vorangetrieben, sondern von zivilgesellschaftlichen Gruppierungen und Organisationen (NGOs). Ihnen fehlt in aller Regel vor allem der politische Einfluss, diese Ideen praktisch umzusetzen; das dazu nötige Engagement einer Bevölkerungsmehrheit, um diesen Einfluss auf legitimem Wege zu erreichen; und die dazu benötigte Aufmerksamkeit.
Gleichzeitig entwickeln sich in anderen Bereichen höchst produktive internationale Bewegungen, die neue Formen der Zusammenarbeit und des Wirtschaftens ausüben — in gewisser Analogie zum Konzept der “Sozialen Plastik” von Joseph Beuys — so zB die Free Software/Open-Source-Bewegung oder auf ähnlichen Prinzipien gründende Projekte wie die Wikipedia oder OpenStreetMap, die jeweils frei zugängliche und mitgestaltbare Software-Programme, eine Enzyklopädie bzw. Kartenmaterial erarbeiten: “Free Culture“. Andererseits entstehen in Form von Social-Networking-Plattformen wie Facebook oder Twitter auch neue Formen der sozialen Interaktion und des informellen Diskurses zu bestimmten Themen.
Die Prinzipien, Werkzeuge und Workflows der Free Culture, der durch Social Networking ermöglichte Austausch sowie die zugrunde liegende Technologie (das Internet) eröffnen die Perspektive einer Demokratie abseits einer Repräsentanten-Wahl zwischen “größeren und geringeren Übeln”: eines von NGOs getragenen, Aufmerksamkeit erregenden Diskurses, in dem sich alle engagieren können und sollen, und der genügend Impuls und Legitimation entwickelt, um nicht mehr von den demokratischen Repräsentanten ignoriert werden zu können und sich politische Veränderungen so erkämpft.
Übersicht
Liquid Democracy Austria soll unter österreichischen NGOs das vom deutschen Liquid Democracy e.V. entwickelte Open-Source-Webtool Adhocracy etablieren, ihren Bedürfnissen gemäß anpassen und nach ihren Wünschen weiterentwickeln. Adhocracy eignet sich zur Themen-zentrierten Diskussion und basisdemokratischen Abstimmung über bestimmte Themen innerhalb von Interessensgemeinschaften. Gruppen-interne Prozesse wie die Entwicklung eines NGO-Positionspapiers lassen sich damit strukturierter abwickeln, als das bisher vielfach der Fall war, und ermöglichen darüber hinaus einen Überblick über Standpunkte von Organisationen nach außen.
Partizipation und Legitimation. Damit wird auch die Möglichkeit eines niederschwelligen bottom-up Zugangs zu diesen Positionen und der Mitarbeit daran für bisher Außenstehende angeboten, wodurch potentielle neue Mitstreiter für die Organisationen erschlossen werden und durch verstärkten Zulauf erhöhte Beachtung durch die politischen Repräsentanten erzielt wird.
Empowerment. Dadurch soll für die partizipierenden Individuen das politische Ohnmachtsgefühl überwunden werden und ihnen Zugang zur Mitgestaltung der sie umgebenden Gesellschaft gegeben werden, die so bisher nicht denkbar, hinter äußerst individualisierte Arten der Selbstverwirklichung (wie Karriere oder Gestaltung des privaten Lebensraums) weit zurück getreten war oder allenfalls mir verkrusteter Vereinsmeierei assoziiert wurde.
Links
Liquid Democracy — bietet u.a. die Möglichkeit, Adhocracy in der Praxis auszuprobieren.
Kurze Einführung in die Idee hinter Liquid Democracy.
Mitschnitt eines Vortrags über Liquid Democracy beim “Hacker-Kongress” 26c3.
Weiterführende theoretische Grundlagen.
Selbst verfasste Beiträge zum Thema
Theoretische und technische Konzepte.
Grob strukturierte Roadmap.
Beteiligung an der Liquid Democracy-Entwicklungsdiskussion.
Direkte Demokratie — Macht, Partizipation und soziale Plastik: Bericht und Kommentar zu zwei Vorträgen des Gründers von mehr demokratie! e.V., Gerald Häfner.
Zielgruppen und Umfeld
Besonderes Augenmerk wird zunächst auf zivilgesellschaftliche Gruppen mit direkt-demokratischer Zielsetzung (wie mehr demokratie!), Organisationen aus dem Bereich der Technologie, Freien Software und Kultur (wie der FFS), vielseitig ausgerichtete Organisationen mit intellektuell-theoretischem Anspruch (wie attac) und übergreifende Dachorganisationen (wie die Initative Zivilgesellschaft) gerichtet. Auch mit Exponenten an den Schnittstellen von Technik, Kunst und Politik soll zusammen gearbeitet werden (zB metalab, monochrom). Schließlich sollen in einer späteren Phase auch weitere zivilgesellschaftliche Organisationen, für die die Themen Demokratie und Technologie von weniger großer inhaltlicher Bedeutung sind, und schließlich politische Parteien mit dem Tool vertraut gemacht werden, wobei bei letzteren der legislative Umsetzungswille von Entscheidungen, die im Rahmen von Adhocracy gefällt werden, im Vordergrund steht und sich somit hier zunächst besonders jene Parteien anbieten, die direkte Demokratie oder ein imperatives Mandat als Gründungsprinzip verankert haben (zB die Piratenpartei, die Grünen).
Roadmap
Konferenz-Teilnahme. Zu den genannten NGOs bestehen teilweise schon personelle Kontakte zum Thema, die ich in den letzten Monaten aufgebaut habe. Zum Ideenaustausch und zur weiteren Vernetzung plane ich die Teilnahme an der EDem10 (Krems, 6. und 7. Mai 2010) bzw. des an deren Vorabend ebenda statt findenden PEP-NET Meetings, was mir voraussichtlich einen tieferen Einblick über den aktuellen Entwicklungsstand anderer Projekte im eDemocracy- und eParticipation-Bereich gewähren wird; sowie (zumindest via Internet) am OpenDemocracyCamp 2010 (Berlin, 8. und 9. Mai 2010), das vom Liquid Democracy e. V. mitorganisiert wird. Weiters plane ich, selbst einen Workshop zum Thema auf der diesjährigen Attac-Sommerakademie (Braunau am Inn, 14. – 18. Juli) zu halten, die heuer unter dem Motto “Demokratie neu denken! Politik gestalten & Alternativen leben” steht, und die entsprechend der personellen Struktur der österreichischen Zivilgesellschaft hoffentlich auch einen gewissen Multiplikationseffekt bringt.
Danach ist die schrittweise Ausdehnung ausgehend von Demokratie- und Technologie-fokussierten Organisationen auf solche geplant, für die diese Themen von weniger großer inhaltlicher Bedeutung sind.
Organisatorische Überlegungen. Aufgrund der überschaubaren Größe der österreichischen Zivilgesellschaft und der Tatsache, dass alle bisherigen Kontaktpersonen bereits in “ihren” eigenen Gruppen stark involviert und daher eher als Bindeglieder zu diesen zu verstehen sind, strebe ich derzeit keine formelle Konstitution von Liquid Democracy Austria als Verein an. Andere, profit-orientierte Rechtsformen schließe ich aus den im Abschnitt Finanzierung angeführten Gründen generell aus.
Technische Ergänzungen. Zur besseren Eignung für den Einsatz im zivilgesellschaftlichen Umfeld soll Adhocracy besonders um Funktionen erweitert werden, die von Social-Networking-Plattformen vertraut sind, und andererseits um solche, die Inspiration aus dem Workflow der erfolgreichen Open-Source-Software-Entwicklung (besonders Bugtracking) beziehen. Auch Aspekte der Usability sollen in Rückkopplung mit den Anwendern verbessert werden. Schließlich sollen Features implementiert oder zumindest angebunden werden, die für zivilgesellschaftliche Organisationen und für die Umsetzung der entwickelten Ideen besonders relevant sind, wie zB die Planung und Durchführung einer Kampagne sowie Beteiligung daran und Möglichkeiten der Finanzierung. Zur ersten Feinabstimmung mit realen Bedürfnissen strebe ich die Einbindung der Bildungsvolksbegehren-Website unserebildung.at (mit deren Verantwortlichen ich ebenfalls in Kontakt stehe) in Adhocracy an, was starken Proof-of-Concept-Charakter hätte. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Anbindung an existierende Tools im zivilgesellschaftlichen Bereich mit leicht abweichender Zielsetzung (wie meinparlament.at) angedacht, was allen beteiligten Plattformen zu erhöhter Effektivität verhelfen könnte. Um auch der Koordination mit anderen e-democracy-Plattformen mit ähnlicher Zielsetzung wie Adhocracy Rechnung zu tragen, soll darüber hinaus Augenmerk auf Aspekte der Plattform-übergreifenden Stimmabgabe (“Free Range Voting“) gelegt werden, um bei möglicher technischer Konkurrenz dennoch demokratische und diskursive Kohärenz zu ermöglichen (siehe Metagovernment).
Skalierung. Sobald Adhocracy im österreichischen zivilgesellschaftlichen Umfeld einigermaßen etabliert und an die dortigen Bedürfnisse angepasst ist, soll die Adaptierung an die Bedürfnisse auch im öffentlichen oder sogar privatwirtschaftlichen Bereich erwogen werden, um partizipatorische Prozesse auch dort zu etablieren, sowie um die nachhaltige Finanzierung der technischen Weiterentwicklung zu gewährleisten. Darüber hinaus soll auch die Zusammenarbeit mit NGOs in anderen europäischen Ländern verstärkt werden.
Zur erhöhten Nachvollziehbarkeit werde ich jedenfalls die wesentlichen Schritte im Projektverlauf mit Einträgen in meinem Blog begleiten.
Links
Partizipationsvorschlag von unserebildung.at.
Analyse verschiedener erfolgreicher Beispiele für E-Partizipation.
Selbst verfasste Beiträge zum Thema
Übersicht über bisherige und geplante Aktivitäten auf der Liquid Democracy Work-Mailinglist.
Finanzierung
Profit-Orientierung würde dem Ziel gerechter, neuer, besser zugänglicher und wirksamer Formen von Demokratie zuwider laufen. Die Finanzierung von Liquid Democracy Austria soll somit kostendeckend in dem Sinne sein, dass eventuelle Auslagen (zB Web-Präsenz, Reisekosten, Konferenzgebühren) gedeckt sind und die Arbeit daran (mittel- bis langfristig) nicht zur Selbstausbeutung führt. Weiters hat die Finanzierung hundertprozentig transparent stattzufinden, dh wird zB auf einer zugehörigen Website veröffentlicht. Ernst gemeinte demokratische Instrumente können keiner finanziellen Abhängigkeit durch Investitionen oder Sponsoring von Profit-orientierten Unternehmen einerseits oder politischen Parteien andererseits unterworfen werden, ohne ihre Wirksamkeit oder Glaubwürdigkeit zu gefährden. In Analogie zu äußerst erfolgreichen Projekten wie zB der Wikipedia bietet sich daher Spenden-basierte Finanzierung an. Zur Abstimmung über Annahme oder Ablehnung von Spenden könnte Adhocracy selbst benutzt werden. Im weiteren Verlauf wäre es wünschenswert, auch die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die das Tool in Anspruch nehmen, zu einem finanziellen Beitrag zu bewegen.
Einreicher
Bernhard Reiter, geboren 1984 in Linz, studiert seit 2003 Physik an der Universität Wien; derzeit Diplomarbeit. Interessensverschiebung hin zu Freier Software und Zivilgesellschaft. Diverse Beiträge zu Open-Source-Projekten, 2006 Teilnahme am Google Summer of Code, 2009 Co-Produktion eines Kurzfilms für die Attac-Kampagne no means no.
Ausführlicher Lebenslauf.
Posted: April 30th, 2010
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Wie ich heute durch Zufall entdeckt habe, sind viele meiner kürzlich hier in der Kategorie “politeia” geposteten Ideen ziemlich deckungsgleich mit denen des Vereins LiquidDemocracy Deutschland, der neben theoretischen Ansätzen auch eine Übersicht über einige konkrete Open-Source-Projekte mit entsprechenden Zielsetzungen bietet, an denen der Verein auch teilweise mitarbeitet.
Da ich das Rad nicht neu erfinden möchte, heißt das wahrscheinlich, dass die Veröffentlichung des bisschen Sourcecodes, den ich bis jetzt produziert habe, und die ich für diese Woche vorhatte, nicht statt finden wird — was natürlich ein kleiner Wermutstropfen für mich ist. Andererseits ist die Mitarbeit an einer bestehenden Struktur mit so ähnlicher Zielsetzung viel sinnvoller; besonders Adhocracy klingt vielversprechend und ist zumindest in Python — wenn auch nicht Django/Pinax, sondern Pylons — geschrieben.
Posted: März 16th, 2010
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Seit ungefähr einem Jahr trage ich die Idee für eine Internet-Plattform mit mir herum, die einen ähnlich praktischen Zugang zu politischer und zivilgesellschaftlicher Partizipation ermöglicht, wie das Bugtracker für Freie Software tun, und zwar in Kombination mit einer Social-Networking-Komponente. Letzteres nicht nur, weil das grade so in ist; vielmehr soll damit ein niederschwelliger Zugang für Menschen geboten werden, die bis dahin wenig Kontakt mit zivilgesellschaftlichen Inhalten und Aktionsformen einerseits oder mit den Entwicklungsprozessen Freier Software andererseits zu tun hatten.
Nachdem ich mein Projekt unter dem Arbeitstitel politeia bereits einigen Freunden vorgestellt habe, poste ich es nun hier, in der Hoffnung, dadurch noch weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen (besonders für die technische Umsetzung) zu gewinnen.
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Posted: März 2nd, 2010
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Nachdem ich im letzten Jahr abgewartet habe, dass Launchpad Open Source wird, und ein bisschen bestehende (Agile) Web-Development-Frameworks wie Ruby on Rails recherchiert habe, bin ich schlussendlich beim in Python programmierten Django und dem darauf aufsetzenden Pinax gelandet, das bestehende Django-Komponenten (wie Kommentare, Voting, etc. — hauptsächlich MIT- und BSD-lizensiert) versammelt. Django stellt typische Aspekte einer Web-Applikation (wie zB das Erzeugen von Objekten aus relationalen Datenbanken) in einer sehr zugänglichen Weise zu Verfügung und ist ausgezeichnet dokumentiert. Ich hatte selbst keine Vorkenntnisse, aber der Einstieg fiel mir sehr leicht. Ich hoffe, damit auch andere zur Mitarbeit anregen zu können.
Im Gegensatz zu bestehenden Social Networks muss weitreichende Offenheit in allen Belangen ein wesentlicher Bestandteil von politeia sein. Für ihren Source Code schwebt mir daher als Lizenz die AGPL vor. Änderungen an bestehenden Pinax-Komponenten sowie Erweiterungen sollen unter den Originallizenzen upstream fließen. Wenn das Thema Finanzierung relevant werden sollte, dürfte sich ein System wie die politeia nicht durch Werbung finanzieren, sondern vermutlich (wie zB auch die Wikipedia) nur durch Spenden.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich habe im letzten Monat einen großen Teil der ersten Phase umgesetzt, wobei mir sehr zugute kommt, dass Pinax selbst schon so umfangreich ist. Derzeit besteht politeia eigentlich nur aus Pinax (mit einigen Anpassungen, besonders der voting-Komponente) und einer von mir geschriebenen, momentan noch ziemlich einfachen Vorschläge-App (“proposals”). Einige Ecken und Kanten müssen darüber hinaus noch abgeschliffen werden.
Die anderen Phasen sind noch vergleichsweise vage gehalten. Mein Plan ist prinzipiell,
- frühestens nach Vervollständigung der zweiten Phase
- Leute aus der Schnittmenge Freie Software und Zivilgesellschaft, ev. auch Kunst (FFS Österreich, ev. FSF, metalab, monochrom),
- weiters die mir vertrauten österreichischen zivilgesellschaftlichen Organisationen einzuladen, sich das System anzusehen und mir mitzuteilen, inwieweit — und unter Voraussetzung welcher Veränderungen — sie sich vorstellen können, es für ihre Arbeit zu benutzen.
- einen Workshop auf der Attac-Sommerakademie 2010 darüber zu halten.
- frühestens nach Abschluss der 4. Phase auch die politischen Parteien darüber zu informieren.
Als einen der nächsten Schritte möchte ich meinen Sourcecode vermutlich auf Launchpad oder GitHub hochladen (ich nehme gerne anderslautende Vorschläge entgegen), um auch andere Interessierte in einem möglichst frühen Stadium in die Entwicklung einzubinden (gemäß der Open-Source-Maxime “release early, release often”). Ich freue mich sehr über jeden Kommentar, jede Interessensbekundung und über jegliche Form der Mitarbeit!
Bleibt schließlich noch die Frage, wo ich politeia (zumindest mal zu Demonstrationszwecken) hosten lassen kann. Weiß jemand eine Möglichkeit für Pinax- bzw. Django-Hosting?
Posted: März 2nd, 2010
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Wie motiviert man andere (auch weniger politisierte) Menschen, sich für ein Thema zu engagieren? Ich habe einige Zeit lang mit meinem zōon politikon Newsletter versucht, Menschen in meiner Verwandschaft und meinem Freundeskreis gewisse Themen, die abseits vom (medialen) Mainstream liegen, näherzubringen und sie zB zur Unterzeichnung von Online-Petitionen zu motivieren. Meine Hoffnung war, dass sich daraus vielleicht eine erhöhte Sensibilisierung, Multiplikation und Diskussionskultur (via der Kommentarfunktion meines Blogs) entwickelt. Während bei Einzelnen zwar vielleicht die Sensibilisierung stattfand, blieb der größere Effekt eher aus, bzw. war auch schlecht messbar (wer hat sich mit welchem Thema auseinander gesetzt, es weitergeleitet,…?). Obendrein war der Aufwand für mich doch einigermaßen hoch: Ich selbst habe von diesen Themen zB über diverse Attac-, Greenpeace- und mehr demokratie!-Mailinglisten und -Newsletters erfahren, die eine Fülle an brisanten Inhalten aufzeigen, für die aber nicht einmal ich selbst immer meine volle Aufmerksamkeit und Zeit aufbringen konnte. Meine Auswahl richtete sich zum Teil erst wieder danach, welche Themen mir für meine Rezipienten leichter zugänglich erschienen. Dadurch übernahm ich absurderweise eine den Mainstream-Medien verwandte Funktion. Die Aufbereitung für mein weniger politisiertes Umfeld war eine zusätzliche Anstrengung, die teilweise sogar redundant war, wenn ich zB nur Zitate aus meinen Quellen postete.
Ich vermute mal, dass es vielen Menschen im zivilgesellschaftlichen Umfeld (oder allgemein: mit gewissen Überzeugungen und einer Sensibiliserung für gewisse Themen) ähnlich ergeht — aber was kann man tun, um die Themen, die einem unter den Nägeln brennen, anderen Leuten näher zu bringen? Ich hoffe, dass der Erfolg Sozialer Netzwerke nahelegt, dass Menschen sich eher für Dinge interessieren, die von ihren Freunden und Freundinnen geteilt werden — wobei der Plural wichtig ist: wenn ich den Eindruck habe, dass ein Freund oder eine Freundin sich für ein Thema engagiert, so werde ich das vielleicht eher als individuelle Spinnerei abtun, als wenn gewisse Themen einen Großteil meines Freundeskreises bewegen. Soziale Netzwerke ermöglichen hier vielleicht eine gewisse verstärkende Rückkopplung.
Andererseits habe ich einen sehr positiven persönlichen Eindruck von der Form von Partizipation, wie sie die Mitarbeit an der Entwicklung Freier Software darstellt. Irgendwann habe ich mich sinngemäß gefragt, warum nicht die Gesellschaft ebenso diskutier- und gestaltbar im Internet auftritt, wie das etwa Linux oder Firefox tun. Potenziell könnten ja auch Gesetzestexte von gewählten Repräsentanten und Repräsentantinnen “maintained” werden, wären aber für alle offen zum Beitrag konkreter Kritik, von Änderungs- und Erweiterungsvorschlägen, und letztendlich zur Abstimmung darüber. Das ist gewissermaßen das utopische Fernziel der politeia.
Posted: März 2nd, 2010
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[This time in German; see also my other post on the subject and the links contained within this post.]
Anstatt das bereits standardisierte, auf XML basierte OpenDocument-Format (ODF; ISO 26300) zur Speicherung in seinen Office-Programmen zu verwenden, hat Microsoft in der Vergangenheit dazu seine proprietären .doc, .xls, .ppt (und weitere) Formate verwendet. Mitbewerber, die möchten, dass ihre Programme Dateien in diesen Formaten öffnen und speichern können, im Open-Source-Bereich zB die verbreitete OpenOffice.org-Suite, waren (und sind) darauf angewiesen, diese Formate in mühevoller Kleinarbeit zu analysieren und die entsprechende Funktionalität zu implementieren (“Reverse Engineering”), da es keine hinreichende offizielle Dokumentation von Microsofts Seite dazu gibt. Umgekehrt sei darauf hingewiesen, dass Microsoft bis jetzt wenig bis gar keine Anstrengungen unternommen hat, die Dokument-Formate seiner Mitbewerber ebenso in seinen Programmen zu unterstützen; insbesondere nicht ODF.
Man könnte meinen, OOXML (ISO-Entwurf DIS 29500) sei ein Schritt in die richtige Richtung, da es sich hier um ein dokumentiertes, XML-basiertes Format handelt. Das wirft aber offensichtlich sofort die Frage auf, warum die Welt noch ein XML-basiertes Dateiformat zur Speicherung von Office-Dokumenten braucht; noch dazu eines, das im Vergleich mit OpenDocument im weitgehenden Alleingang eines einzelnen Unternehmens entwickelt wurde, eher auf die Kompatibilität mit dessen früheren Formaten (also wieder .doc, .xls etc.) ausgelegt ist als auf die möglichst universelle Einsetzbarkeit und insgesamt als technisch eher unausgereigt und fehlerhaft gilt. Den Kritikern an OOXML erscheint es als wesentlich sinnvoller, auf ODF als bereits etabliertes, offenes Office-Dokumentformat, das immer mehr auch von offizieller Seite eingesetzt wird (für eine Übersicht siehe zB Wikipedia [deutsch]), zurückzugreifen, und sich an der Verbesserung dieses Standards zu beteiligen, als einen neuen, mit den skizzierten Problemen behafteten, aus dem Boden zu stampfen, nur, um die eigene Marktposition nicht zu gefährden.
Eine erste ISO-Abstimmung über DIS 29500 im September 2007 fiel so aus, dass OOXML nicht im “Schnellverfahren” (fast-track) als Standard akzeptiert wurde, da eine große Anzahl von nationalen Standardisierungs-Organisationen mit Nein stimmte bzw. eine Vielzahl von Kommentaren zu technischen und generellen Unzulänglichkeiten abgegeben wurde (eine Übersicht bietet http://www.dis29500.org/). Bis zur Versammlung der ISO in Genf vom 25.-29. Februar 2008 kann der Standard verbessert werden, danach haben die nationalen Standard-Gremien 30 Tage Zeit, um ihr endgültiges Votum bekannt zu geben.
Die Kritik an OOXML und Microsoft, vorgebracht besonders von Einzelpersonen und Interessensgemeinschaften aus dem Free-Software-Bereich, konzentriert sich neben prinzipiellen und technischen Gründen auch auf Ungereimtheiten im Verlauf der bisherigen Abstimmungen. Für Übersichten über die unterschiedlichen Kritikpunkte, siehe zB
- http://www.noooxml.org/argu-brief für eine prinzipielle Übersicht über Kritikpunkte, Neuigkeiten und Links zu spezifischeren Seiten
- http://openiso.org für technische Unzulänglichkeiten
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Posted: Januar 15th, 2008
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I sent about the following text to a couple of Austrian media today, hoping to stir something up regarding the Austrian Standards Institute‘s (ON‘s) yes to OOXML and their future actions, esp. who they are going to send to the final decision round in Geneva in February 2008, which they have to announce to ISO by Dec. 11th. Earlier today, I had already contacted the ON with a bit of a lenghty e-mail pointing out the well-known main concerns about OOXML (no reply so far). If you don’t know exactly what I’m writing about, get yourself informed at nooxml.org, and if you care a bit for the Free Software world, sign their petition, spread the word, do something! You’ll find some people say that Sweden’s original (and probably sponsored) Yes to OOXML was turned into an abstention by, among other factors, the (Swedish) blogosphere! That is, go Austrians, I guess!
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Posted: Dezember 7th, 2007
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